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Blue Moon

Kosmos :: 2004 :: ca. 15 €
Reiner Knizia

9,0
Bei "Blue Moon" nimmt Spieleautor Reiner Knizia Anleihen bei den bliebten Sammelkartenspielen wie "Magic" oder "Yu-Gi-Oh!". Die Spieler fechten mit ihren Karten in verschiedenen Runden Kämpfe gegeneinander aus. Die gelungene Mischung aus Taktik und Glück sowie die aufwendige Gestaltung der Karten machen "Blue Moon" zu einem sehr schönen Spiel. Weitere Völkersets sind zum Preis von (nur) 7 Euro erhältlich

Spieler: 2 :: Alter: ab 12 :: Dauer: 30 min. Genre: Glück/Taktik


Beim ersten Durchlesen der Anleitung wirkt das Spiel recht kompliziert aber schon nach wenigen Runden fällt der "Groschen". Jeder Spieler wählt ein Volk der "Blue Moon"-Welt. Im Basisspiel sind zwei solche Völker enthalten, die "Vulca" und die "Hoax". Jedes Völkerset besteht aus 31 Karten die sich in vier Kategorien einteilen lassen. Es gibt Charakterkarten, Verstärkungskarten, Unterstützungskarten und Anführeraktions-Karten. Die Karten werden von beiden Seiten an ein schmales Spielbrett angelegt. Dieses dient eigentlich nur der besseren Übersicht, im Prinzip könnte man darauf verzichten. Letztlich handelt es sich bei "Blue Moon" um ein reines Kartenspiel.

Zum Spielablauf:
Abwechselnd legen die Spieler ihre Karten in vorgegebener Reihenfolge aus. Jede Karte besitzt bestimmte Werte für "Feuer" und "Erde". Diese beiden Elemente bestimmen das Spiel. Bei einem Kampf legt ein Spieler durch das Auslegen einer Charakter- und einer Verstärkungs- oder Unterstützungskarte einen Stärkewert fest. Je nachdem, ob die Karten in den Werten Feuer oder Erde besser sind, wird man sich für das eine oder andere entscheiden. Nun muss der Gegenspieler versuchen, diesen Wert zu erreichen oder sogar noch zu übertrumpfen. Der Kampf geht solange hin und her, bis einer der beiden Spieler nicht mehr in der Lage ist, die vom Gegner vorgegebene Stärke zu erreichen. Er muss sich geschlagen geben und der Gewinner erhält einen der drei Drachen, die in der Spielmitte warten. Das Spiel endet, wenn einer der Spieler alle drei Drachen erringen konnte oder die beiden Nachziehstapel aufbebraucht ist. Gespielt wird nämlich immer nur mit sechs Karten, der Rest des "Volkes" wird aus dem verdeckten Stapel nachgezogen. Neben einer guten Taktik benötigt der Spieler also auch ein Quentchen Glück beim Nachziehen der "richtigen" Karten.
Zu den bereits erklärten Kartenwerten für Erde und Feuer besitzen manche Karten noch Spezialfähigkeiten die das eigene Spiel oder das des Gegners beeinflussen können. Beispielsweise indem man eine gegnerische Karte entfernen darf und dessen Stärkewert dadurch sinkt. Einige weitere Feinheiten unterschlage ich jetzt einfach mal, damit diese Erklärung nicht allzu kompliziert wird (ich schreibe hier ja keine Anleitung). So enthalten manche Karten noch Symbole, die ihrerseits eine spielerische Bedeutung haben.


Die Spieleschachtel im typischen Kosmos-2-Spieler-Format enthält drei Plastikdrachen, eine schön gegliederte vierfarbige Anleitung (mit praktischem Beispiel zum nachspielen), das Spielbrett aus Karton und zwei Sätze mit Völkerkarten. Die Völkerkarten sind es, die dieses Spiel zu etwas ganz Besonderem machen. Unter der Federführung von Imelda und Franz Vohwinkel wurden die Karten von acht internationalen Fantasy-Illustratoren gestaltet. Die Zeichnungen wirken nicht nur sehr plastisch und einfallsreich, die Völker und ihre Eigenheiten sind auch äußerst stimmig dargestellt. Zum Verkaufsstart von "Blue Moon" sind die Zusatzvölker "Mimix" (Wald-Amazonen) und "Flit" (Vogelwesen) erhältlich. Im Oktober 2004 folgen die "Khind" und die "Therrah" und schließlich 2005 die "Pillar" und die "Aqua". Jedes der Völker hat seine eigenen Stärken und Schwächen, insgesamt sollen sie jedoch, laut Reiner Knizia, der mehrere Jahre Entwicklung in dieses Spiel investiert hat, sehr ausgewogen sein. Der Preis von 15 Euro für das Basisspiel und knapp 7 Euro für zusätzliche Völker ist absolut angemessen. Von den Konami-Sammelkartenspielen sind geplagte Eltern ganz andere Größenordnungen gewohnt.


Nachdem ich die obigen Punkte recht ausführlich behandelt habe, mache ich es hier kurz: "Blue Moon" ist ein erfrischend neues Spiel, das durch den taktischen Spielablauf und die hervorragende Gestaltung sicher viele Anhänger finden wird. Auch Spieler, die mit Taktikspielen sonst weniger anfangen können, kommen bei "Blue Moon" auf ihre Kosten, weil durch das Nachziehen der Karten auch ein Glücksfaktor enthalten ist. Ein großer Teil des Spielreizes liegt darin, mit den momentanen Handkarten durch geschickte Aktionen den Gegner zu übertrumpfen. Ich freue mich schon auf die zusätzlichen Völkersets und werde mal versuchen - was durchaus möglich ist - mir aus verschiedenen Völkern ein eigenes Kartenset zu basteln.

mike